Mit ‘em Kopp gegen die Wand
In Buenos Aires gelandet, geht es mit Rad und Gepäck zunächst zum Taxistand, wo man mich zur Begrüßung gleich über Tisch zieht. 496 Pesos soll die Fahrt zum Hostel kosten, umgerechnet 100 Euro. Ich will gar nicht verhandeln, sondern deute an wieder aussteigen zu wollen. Zu unverschämt ist der Preis. Mehr als 200 Pesos zahle ich keinesfalls, das ist eh schon zu viel. Die Typen am Taxistand jammern über die hohen Spritpreise und wie weit die Fahrt in die Stadt doch ist. Blabla, den Gebührenzähler wollen sie aber nicht anstellen. Ich zahle mit zwei Einhundert Peso Scheinen, denke ich. Angeblich habe ich mich vertan und man hält mir einen Hunderter und einen Zehner vor die Nase. Wie dumm von mir, denn ich nehme den Zehner zurück und gebe einen anderen Hunderter raus. Das der Typ den Geldschein in null komma nix ausgetauscht hat kapiere ich zu spät. Eine uralte Masche, auf die orts- und währungsfremde Touris immer wieder reinfallen. Also aufgepasst in Südamerika! Das war eine Warnung, die zum Glück nicht teurer ausgefallen ist.
Das Wetter in Buenos Aires ist bombig: Blauer Himmel, Sonne satt und 28°C. Beim ersten Rundgang komme ich bei einem Friseur vorbei und beschließe mir einen Sommerhaarschnitt zuzulegen. Im Radio läuft Fußball, ganz klar zu erkennen. Der Reporter redet so unglaublich schnell, dass man als Fremder mindestens 25 Semester Spanisch studiert haben muss, um ihn auch nur annähernd verstehen zu können. Der Maestro tanzt mit der Schere in der Hand um mich und das Radio herum. ‚Oh Mann, hoffentlich bleiben die Ohren dran‘, denke ich noch. Tor für die Boca Juniors! Beim Torschrei, der hier etwa 2 Minuten lang dauert, flippt der Friseur dann völlig aus und rennt raus auf die Straße um erst einmal mit seinen Nachbarn zu feiern. Was für Typen in Argentinien! Mehr Fußballbegeisterung geht einfach nicht (und da heißt was…). Obwohl ich kein Wort verstehe, redet der Maestro nun pausenlos und voller Begeisterung auf mich ein -und der im Radio plappert jetzt noch schneller… Eine verrückte Begrüßung in Argentinien:-) Das Stadium der Boca Juniors im Stadtteil Boca: La Bombonera
Mit dem Reisebus geht es dann quer durch die Pampa, 20 Stunden nach Süden, nach San Carlos di Bariloche. Hoffentlich die letzte Busfahrt, dann will ich endgültig wieder aufs Rad umsteigen. Der Sommer in Patagonien ist kurz und ab Bariloche ist der Weg nach Süden zu Kap Hoorn noch lang und die Straßen nicht die Besten.
Leider mache ich beim Einsteigen in den Bus wohl eine ‚falsche Bewegung‘, denn nun geht nichts mehr. So ein Mist, vor allem als ich aus dem Bus wieder raus muss! Da stehe ich dann mit meinem verpackten Rad und meinem ganzen Gepäck und kann mich fast nicht mehr bewegen. Eigentlich wollte ich ja direkt aufs Rad steigen und zum nächsten Zeltplatz fahren. Nun bin ich froh dass mir Chad aus Baltimore die Sachen ins Taxi einlädt und wir gemeinsam zum nächsten Hostel fahren können. Chad hat seine Klettersachen und sein nasses Zelt dabei, er kam letzte Nacht in einen Schneesturm und musste seine Tour erst einmal abbrechen. In der Jugendherberge sind sie alle super nett. Zwei junge Schweden, mit denen ich ein Zimmer teile, kochen für mich mit und bauen mein Rad zusammen. Immer wieder sehe ich Reiseradler mit Gepäck hier vorbei fahren Richtung Süden -mein Weg… Aber leider sitze ich immer noch hier in Bariloche fest, mal mit mehr, mal mit weniger Rückenschmerzen. Ausgerechnet in Patagonien, mitten im Nahuel Huapi Nationalpark.
Hier könnte man Tausend Dinge gleichzeitig machen und ich nur eines:
Mit ‘em Kopp gegen die Wand!
Passend dazu verliert die Frankfurter Eintracht dann auch noch in Köln… Bääääähhhhh!
16.12.: Gestern habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht. Es wird aber nur langsam besser…


Dezember 15th, 2010 at 17:17
Hallo Holger,
Dein Bruder hat mir letzten Samstag von Deinem gesundheitlichen Pech erzählt. Ich wünsche Dir ganz schnell gute Besserung, damit es mit dem Rad in dieser wunderschönen Natur weitergehen kann.
Gestern habe ich von meiner Personalstelle “grünes Licht” für Südamerika bekommen. Ich fliege voraussichtlich Anfang Februar nach Argentinien. Ich weiß, dass der Sommer in Patagonien nur kurz ist, aber was soll ich machen. Meine Mutter feiert am 29. Januar ihren 60. Geburtstag und erst danach kann ich los.
Alles Gute!!!
MARTIN
Dezember 19th, 2010 at 09:14
Hallo Holger,
hoffentlich geht es Deinem Rücken besser , damit Du Deine Reise fortsetzen kannst.Weihnachten in Südamerika ist bestimmt ein tolles Erlebnis. Du hast geiles Wetter, wir versinken im Schnee. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Reiseberichte und die tollen Bilder und wünschen Dir gute Besserung und ein frohes Weihnachtsfest.
Liebe Grüße
Joel et Sabine
Dezember 20th, 2010 at 10:49
Hallo Holger,
damit du deine Tour nicht mit dem Rollator, sondern mit dem Fahrrad fortsetzen kannst, wünsche ich die eine schnelle Genesung. Sicher ist es eine Gute Idee bis nach Feuerland mit der Fähre zu fahren und dann den Rückweg mit dem Rad zu nehmen. Habe gestern in TV einen Bericht über die Landschaft dort gesehen, bin blass vor Neid!!
Vergiss den Schmerz, genieße die prächtige Gegend und viel Glück!!
LG und Merry X-Mas!
Februar 8th, 2011 at 23:13
Hi Holger,
What wonderful pictures. The sights are absolutely incredible. It looks like you got tired of watching National Geographic and decided to see things for yourself! Boy, do you make me jealous!!!
I’ll stay tuned to your blog.
Carpe diem,
Ian